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THE ELECTRIC FAMILY


THE PERC MEETS THE HIDDEN GENTLEMAN


TARAS BULBA


THE PERC

| BIO | INTERVIEW | DISKOGRAFIE |

Seit 1983 und mit der Gründung der Avantegarde-Truppe Kühe Im Nebel nannte sich der gebürtige Iserlohner Tom Redecker 'THE PERC'. Zuvor hatte er bereits in den Siebzigern alle möglichen musikalischen Stationen durchlaufen, machte Trashfolk mit seinem Duo Pissrinne, war recht erfolgreich bei den Folkies Gipsy Rover tätig, mit denen er gar eine Frankreich/Belgien-Tournee durchzog, und zog sich dann Ende der Siebziger, angewidert von der sogenannten Neue Deutsche Welle, ganz aus dem Musikgeschäft zurück.

Erst mit den Kühen und ihrem radikalen Programm war er wieder da. Mit seinem Umzug nach Bremen nahm er auch den Namen Kühe Im Nebel mit und etablierte sich mit seinem zahllosen Kassettenproduktionen schnell im Bremer Untergrund. Seine erste Tape-Produktion als THE PERC nannte er 1985 selbstbewusst "Man Of The Future", weigerte sich in Folge aber eisern, sowohl seine eigenen Produktionen als auch die der Kühe Im Nebel auf Schallplatte zu veröffentlichen. Sämtliche Produktionen erschienen auf dem eigenen SHACK MUSIC-Label, eine erste Auswertung dieser Frühwerke auf Vinyl fand 1994 durch das Hannoveraner Label Swamp Room Records statt. Weitere Outtakes sind geplant.

Parallel zu den PERC-Veröffentlichungen erschienen zahllose Tapes von den Kühen Im Nebel, die sich um den Bremer Sänger und TV-Moderatoren OWI Weber verstärkt hatten. Harte Industrialklänge auf weichen Melodieteppichen bildeten das Konzept, aber auch Country & Western, Punk und Metal flossen in die ungewöhnliche Musik der Kühe ein. In Bremen waren sie absoluter Kult, und mit dem Konzeptprogramm "The Flesh & Steel Society" gingen die Kühe 1987 dann auch auf Deutschland-Tournee.

Im gleichen Jahr nahm Tom zusammen mit Emilio 'THE HIDDEN GENTLEMAN' Winschetti die erste gemeinsame Single als The Perc Meets The Hidden Gentleman auf, und die Arbeit mit Kühe Im Nebel trat vorerst in den Hintergrund. In den nächsten 7 Jahren avancierten Tom und Emilio mit ihren zahllosen Konzerten und ihren eindrucksvollen Alben zu absoluten Szene-Lieblingen.(vgl. The Perk Meets The Hidden Gentlemen an anderer Stelle). In ihrer Heimat waren The Perc Meets The Hidden Gentleman fast pausenlos unterwegs, allein die Lavender-Tour umfasste 100 Gigs. 1993 erschien mit "Ages" das bisher letzte Studioalbum von Tom und Emilio. Dann widmete sich jeder erst einmal anderen Dingen, wobei der Kontakt und die gemeinsame Pflege des Backprogramms weiterhin harmonisch funktioniert. Nicht wenige Fans fiebern einem neuerlichen musikalischen Treffen von The Perc Meets The Hidden Gentleman seither entgegen. Und die Chancen dafür sind gar nicht einmal so schlecht!

Bereits 1990 bot Strange Ways Label-Boss Lothar Gärtner Tom an, seine erste Soloplatte herauszubringen. Viele befreundete Musiker wie Element Of Crime, Rumble On The Beach, Mimmies, M. Walking On The Water undundund boten ihre Mithilfe an, so dass Tom von der ursprünglichen Idee eines Soloalbums abrückte und stattdessen eine Konzept-Compilation zusammensstellte: "THE PERC Presents The Furious Swampriders". Hier hatte The Perc endlich die Gelegenheit, seiner heimlichen Vorliebe für Country, Folk, sogenannter ländlicher Musik, zu frönen. Es wurde ein heftiges Lagerfeueralbum, das wirklich erfolgreich war. Zwei Jahre später erschien die Fortsetzung: "The Return Of The Furious Swampriders". Diesmal waren international geachtete Künstler wie Floyd Westerman und Gun Club dabei.

1994, nachdem The Perc Meets The Hidden Gentleman ihre unbegrenzte Schaffenspause angetreten hatten, bot sich endlich für Tom die Gelegenheit, sein erstes 'richtiges' Soloalbum anzugehen. Er hatte inzwischen zwar mit Taras Bulba recht erfolgreich ein Elektronikprojekt etabliert (vgl. Taras Bulba an anderer Stelle), aber nun schwebte ihm etwas völlig anderes im Kopf herum. Musiker von Phillip Boa, Kastrierte Philosophen und aus der eigenen Lavender Band halfen ihm bei der Entstehung von "Worldlooker", das im Frühling 1995 bei Strange Ways Records erschien. Die Medien waren gespannt darauf, wie The Perc ohne den Hidden Gentleman herüberkommen würde, mit ihrem Kommentar zu "Worldlooker" konnte The Perc dann mehr als glücklich sein. Die Kritiken erschienen geradezu triumphal! Grund genug für Tom, Band und Crew für die "Worldlooker Tour '95" zusammenzustellen. Als THE PERC Meets The Incredible Lovegodz zogen sie im Herbst durch 14 deutsche Konzertsäle. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, Tom musste erst einmal seinen Platz als Frontmann, den Emilio Winschetti so lange Zeit mehr als grossartig ausgefüllt hatte, finden, wurde die Tour ein wahrer Erfolg.

Für weitere Soloaktivitäten wurde es dann erst einmal eng, Tom gründete ein neues Ensemble, The Electric Family. Damit waren die nächsten drei Jahre verplant. Zwei Alben wurden produziert, zwei Tourneen durchgeführt (vgl. The Electric Family an anderer Stelle), der Familenverbund erlangte in dieser Zeit die allerhöchste Wertschätzung der Fans und der Medien. Das zweite Album "Tender" wurde gar für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik vorgeschlagen. Im Sommer 1999 schickte Tom Redecker seine elektrische Famile, die zwischenzeitlich auf insgesamt 28 Personen angeschwollen war, in einen vorübergehenden Urlaub, um endlich seinen nächsten Solostreich in aller Ruhe einzuspielen. Im Oktober 1999 begannen die Aufnahmen, lediglich einige wenige Musiker, wie z. B. sein langjähriger Gitarrist Jochen Schoberth wurden eingeladen, den Grossteil der Instrumente spielte The Perc selbst ein. Staubtrockene, heftige Songs entstanden bei den Aufnahmesessions im Alien Style Studio Bremen, die bis Sommer 2000 gingen.

Im folgenden Jahr gründete Tom zusammen mit Lothar Gärtner, dem ehemaligen Besitzer von Strange Ways Records ein neues Label, Sireena Records. Das erste Album, das darauf erschien, war „Pueblo Woman“, ein Live-Album der Electric Family. Es enthielt Aufnahmen von den beiden Tourneen der Family 1997 und 1999 sowie zwei Studio Outtakes. Anschliessend folgte – nach sieben Jahren - eine weitere Ausgabe der Furious Swampriders. Der dritte Streich war dann endlich das neue Soloalbum von The Perc „Jack Of All Trades“, welches mit massivem Presseaufwand Anfang März 2001 in die Läden geht.
Während der Aufnahmen zu „Jack Of All Trades“ kam Tom die Idee, nach den anstrengenden Tourneen mit The Electric Family einmal wieder ein kleines 'Live Ding' durchzuziehen, ein reines Acoustic Set in kleinen Clubs. Gitarrist Jochen Schoberth konnte als zweiter Mann für diese Geschichte schnell gewonnen werden. Unter dem Motto „An Evening with THE PERC“ fanden die Konzerte im Frühling 2001 statt – Publikum und Musiker waren gleichermaßen begeistert von diesen „Wohnzimmer-Gigs“. Es soll irgendwann einmal fortgesetzt werden.

Inzwischen hatte Tom The Electric Family wieder zusammengetrommelt und sie ordentlich verstärkt. Neben ex-Agitation Free-Trommler Burghard Rausch waren die beiden Pankow-Musiker Ingo York und Rainer Kirchmann und Ulla Meinecke dazugestossen. Heraus kam das Album „Ice Cream Phoenix“ (Hypertension/Sony), das medienmäßig alles bisherige in den Schatten stellte. Der amerikanische Kultschreiber David Fricke war dermaßen begeistert, dass er die Liner Notes zum Album schrieb und die Band in unmittelbare Nachfolge der legendären Jefferson Airplane stellte. The Electric Family stellte das Album im Sommer 2003 bei den Schweriner KunstFilmtagen auch live vor.
Anschließend ging die Family wieder in Kreativ-Urlaub. Tom THE PERC Redecker stand im Dezember 2003 allerdings schon wieder im Bremer Alien Style Studio, um neue Titel für ein weiteres Projekt aufzunehmen.

Doch darüber ein andermal mehr ...


INTERVIEW

Stephen Koch, Musikchef der 'LITTLE ROCK FREE PRESS', in Little Rock, Arkansas, USA im Gespräch mit Tom THE PERC Redecker anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung des PERC-Albums "Jack Of All Trades" im Januar 2001

S.K. / Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem phantastischen Live-Album Deiner Supergroup THE ELECTRIC FAMILY "Pueblo Woman (Sireena Records) präsentierst Du bereits Dein nächstes Album "Jack Of All Trades", und ich bin wieder einmal schwer begeistert. Du hattest ja bereits im Frühling in Austin erzählt, dass dieses Album Country Music-beeinflusst sein wird und daher war ich schon gespannt, wie ein Fuckin’ Krauthead diese Aufgabe erledigt. Riesen-Kompliment, Mann. Besonders bei "Good Grass, Bad Boy” läuft die Geschichte direkt vor dem inneren Auge ab. Ein böser B-Movie. Könnte von Dennis Hopper stammen, der Gesang übrigens auch!
Tom / Keine Ahnung, wie sich Dennis Hopper so anhört. Ich kenne ihn als Regisseur und Darsteller in "Easy Rider" und zahllosen anderen Filmen. Wusste gar nicht, dass er auch singt. Mit dem B-Movie liegst Du gar nicht mal so weit entfernt, ich mag diese Art von Filmen und ich mag die Soundtracks dazu. Songs wie Filme zu gestalten war schon immer mein Anliegen, und es freut mich sehr, dass es bei den Betrachtern funktioniert. "Dreamride" ist übrigens ein ähnlich gelagerter Titel.
S.K. / Der Titel, der alles überragt, ist "Dolphins & Airmachines" . Eine gewaltige Szenerie mit Mord und Totschlag, schreienden, sterbenden Menschen und einem endlos scheinenden Gitarrensolo im Schlussteil, dass in seiner Intensität nur noch von Neil Young zusammen mit Crazy Horse erreicht wird.
Tom / Das Gitarrengewitter zum Schluss ist eine Gemeinschaftsarbeit von mir und Jochen Schoberth, mit dem ich bereits seit der "LAVENDER" 1991 zusammenspiele. Es entstand völlig spontan ohne jede Vorbereitung, das sind dann oft die besten Sessions!
S.K. / Ohne Frage, spielt Jochen auch auf dem Science Fiction-Titel "The Cougar" Gitarre?
Tom / Nein, das ist Rolf Kirschbaum, den ich ja noch länger kenne. Spielt völlig anders, so wie eigentlich alle Gitarristen bei meinen Projekten sich voneinander unterscheiden. Das bringt die nötige Klangfarbe in die Tracks.
S.K. / Du hast wieder alle Keyboards bedient, so wie früher bei The Perc Meets The Hidden Gentleman. Und wenn es stimmt, was ich lese, auch sämtliche Bassgitarren. Das steht dann doch im krassen Gegensatz zur Arbeitsweise Deiner Electric Family. Absicht?
Tom / Völlige Absicht. Nach drei Alben mit der Family und all den vielen Musikern war einfach die Zeit gekommen, wieder für mich allein zu spielen. Nur mit wenigen vertrauten Gästen in vertrauter Atmosphäre. Auf Grund dieser Vorgehensweise unterscheidet sich "Jack Of All Trades" auch deutlich von allen Alben der Electric Family. In meinem Album steckt doch mehr Tom Redecker, auch wenn ich für die Family fast alle Titel schreibe und darum sicherlich nicht unerheblich für die ferigen Family-Platten verantwortlich bin.
S.K. / Die Electric Family gibt es aber noch, oder?
Tom / Natürlich, wir haben bereits mit Aufnahmen für das nächste Album begonnen, das aber bestimmt nicht vor 2002 herauskommen wird. Eine Menge neuer Gäste wird mitmachen, aber ist noch geheim. Eigentlich möchte ich auch wieder mit Taras Bulba was machen. Gerade in letzter Zeit ist die Nachfrage nach Taras Bulba doch gestiegen. Allerdings habe ich sämtliche Verträge mit unserem Label gekündigt, folglich steht das Projekt zur Zeit ohne Deal da. Also eigentlich zu viel Hochzeiten, auf denen ich tanze. Zur Zeit steht sowieso mein Soloalbum an erster Stelle all meiner Bemühungen. Nach der Veröffentlichung (Anfang März 2001) gehen Jochen Schoberth und ich auf eine kleine Tour, im Sommer machen wir vielleicht noch ein paar Festivals, und dann sehen wir mal weiter.
S.K. / Spielt Ihr nur Titel von dem Jack-Album. Bei "Dolphins & Airmachines" stelle ich mir das schwierig vor. Zwei Leute nur, zwei Gitarren.
Tom / Wir werden noch einen Percussionisten dabei haben, und die Titel werden sicherlich anders rüberkommen. Aber wir spielen auch Titel von "Worldlooker" (Das erste Soloalbum von The Perc von 1995), der Electric Family und bestimmt auch alte Gassenhauer von Emilio und mir.
S.K./ Hoffentlich auch den "Riddle Song", einen weiteren Favoriten von Deinem Album, oder den "Dragon Song".
Tom / Mag sein. Mit viel Glück kannst Du Dir die Resultate später anhören, wir werden alle Konzerte mitschneiden. Mal sehen, was dabei rauskommt. Es ist zwar kein Live-Album geplant, aber wie gesagt, mal sehen.
S.K./ Stimmt es, dass "Lavender" von The Perc Meets The Hidden Gentleman neu herauskommt. Habe ich irgendwo hier auf einer Website gelesen.
Tom / Stimmt, digital bearbeitet und mit Bonus Tracks! Das Album gabs ja aus rechtlichen Gründen ein paar Jahre nicht. Nun sind alle Schwierigkeiten aus dem Weg, und wir bringen das Album bei Sireena Records heraus.
S.K. / Hinter Sireena steckst auch Du, oder?
Tom / Nur zur Hälfte. Die andere Hälfte bestreitet der Lothar Gärtner, der früher mein altes Label Strange Ways Records gegründet und geführt hat. Irgendwie schliessen sich die Kreise wieder.
S.K./ Steht Sireena, ähnlich wie bei Grateful Dead, auch Deinen übrigen Musikern für deren Projekte zur Verfügung?
Tom / Warum nicht, wenn’s uns gefällt. Aber das entscheide ich nicht alleine.
S.K./ Was macht eigenlich der Hidden Gentleman zur Zeit. Kommt Ihr noch mal zusammen? Ich kann mir vorstellen, dass Ihr eine Menge Leute glücklich machen würdet. Allein hier in den Staaten habe ich im Netz über 100 Hinweise auf Euch gefunden. Das muss in Europa doch noch mehr sein.
Tom / Es gab und gibt reizvolle Angebote, aber die Frage stellt sich zu Zeit noch immer nicht. Eigentlich möchte ich auch nicht so gerne darüber reden. Irgendwann vielleicht einmal, okay! Emilio und ich haben keinen Streit oder so, aber wir haben auch keine gemeinsame Idee, und solange die nicht da ist, hat es keinen Sinn. Es kommt wahrscheinlich noch eine Platte von uns mit unveröffentlichten Aufnahmen. Alles weitere steht in den Sternen.
S.K./ Na gut, im Grunde hast Du ja auch genug andere phantastische Projekte am Laufen. Ich freue mich auf jeden Fall, wie in all den vergangenen Jahren, auf mehr aus Deiner Pipeline. Solange Dir und Deinen Musikern nicht die Ideen ausgehen, versiegt da ja so schnell nichts. Noch eine Frage, wo bekommt man in den Staaten Deine Platten.
Tom / In dem Fall über Eurorock und auch über SongSearch und Amazon. Dann gibt’s da noch viele Mailorder, die sich speziell mit deutscher Musik beschäftigen. Die Infrastruktur ist in der Hinsicht doch verdammt prima geworden. Über Lizensierungen verhandeln wir noch. Speziell betrifft das die Veröffentlichungen auf Sireena Records.
S.K. / Ich freu mich drauf, alles Gute Dir, Deiner echten und Deiner musikalischen Familie. Wir sehen uns im nächsten März wieder in Austin, oder?
Tom / Klar, wie gehabt alle Jahre wieder!


Ein weiteres Interview mit THE PERC:

The Perc oder ‘Hans Dampf in allen Gassen’

Der ‘Hans Dampf in allen Gassen’ (means „Jack Of All Trades“) der deutschen ‘Alternative Music’, Tom ‘The Perc’ Redecker, fand trotz vielfältiger Tätigkeiten ( die Electric Family, die es immerhin schon auf drei Alben bringen sowie die Gründung seines eigenen Labels ‘Sireena Records) die Gelegenheit zum Einspielen seines zweiten Solo-Albums. So künstlerisch hochwertig auch die ELECTRIC FAMILY war, sie war ein Kollektiv gleichwertiger Musiker, was immerhin auch das Übereinbringen verschiedener Interessen bedeutete. Somit gibt es auf „Jack Of All Trades“ wieder The Perc pur, das erste Mal übrigens seit dem Album „The Worldlooker“ von 1995.
Konzeptionell werden hier die Traditionen des Duos The Perc Meets The Hidden Gentleman fortgesetzt, welches bis Anfang der 90er in der deutschen alternativen Szene uneingeschränkt für Furore sorgte. Bis auf wenige Ausnahmen (wobei Tom Redecker musikalische Unterstützung in Jochen Schoberth - guitar, Rolf Kirschbaum - guitar und Hanno Janssen - drums fand) wurde das gesamte Album, immerhin elf Tracks, von dem Multiinstrumentalisten persönlich besungen und eingespielt. Und kennt man die früheren Werke The Percs (von welchen das TPMTHG-Album „The Lavender“ mit Sicherheit zu einem der interessantesten deutschen Rock-Platten der Neunziger zählt), dann weiß man, daß auch „Jack of all Trades“ wieder eine ungewöhnliche Mischung aus Rock, Pop, Folk, Country, Blues und Psychedelic zu bieten hat. Sein neues Output ist ein buntes Song-Kaleidoskop, wobei mit Sicherheit Ohrenmerk auf die epischen „Dolphins & Airmachines“ und „Just The Flame“ sowie die rockig-schmissigen Tracks „The Dragon Song“ und „Head In The Air“ zu legen ist. Die Merkmale im The Perc-Sound, die unverkennbare grummlig-tiefe Stimme und dominante akustische Gitarre, seit immerhin mehr als fünfzehn Jahren Markenzeichen, sind auch hier wieder sympathisch und liebenswürdig. Das ‘Schellackgeschrei’ fand schon fast traditionsmäßig wieder die Gelegenheit, mit Tom Redecker alias THE PERC zu talken.

SG: Wieso „Jack Of All Trades“? Fühlst Du Dich wirklich als ‘Hans Dampf in allen Gassen’?
Perc: Das ist ein Zitat von Jörg Gülden, dem Chef des ‘Rolling Stone’. Das gefiel mit so gut, weil er meine Berufung genau erkannt hat, unterschiedliche Sachen zu machen, so daß ich dieses Zitat gleich als Titel für mein neues Album benutzte. Ich fand diesen Namen für mein Solo-Album doch recht passend.
SG: Im Gegensatz zum ersten Perc-Album „Worldlooker“, was doch recht folk-betont war, ist „Jack Of All Trades“ dann doch schon rok- kiger einzustufen und es wirkt irgendwie auch kompakter. Auch kommen hier Erinnerungen an alte The Perc meets the Hidden Gentleman-Tage auf.
Perc: Ja, die Platte ist eindeutig druckvoller. Ich auch denke, daß ich mich mit der Platte mehr bei The Perc meets the Hidden Gentleman befinde als bei der Electric Family. Das liegt auch mit daran, daß ich hier, wie damals, den Großteil aller Instrumente selber spiele. Ich habe hier alle Keyboards, Bässe und akustischen Gitarren selbst eingespielt. Und da hört man dann auch so ein bißchen, daß die Produktion etwas wie die Sachen von früher klingt. Von daher ist die „Jack Of All Trades“ auch sehr nahe an der „Maid Of Delphi“. Aber das war ja der Sinn der Sache. Sonst hätte es auch ein Electric Family-Album werden können. Gerade diese beiden Studioalben mit der Electric Family waren wegen der vielen Leute, die hier beteiligt waren, sehr anstrengend. Ich wollte deswegen jetzt erst einmal eine Platte machen, wo alles recht schnell ging und man ruck-zuck ein Stück fertig hat.
SG: Aber so extrem kann man Deine Projekte eigentlich nicht trennen. Auch bei der Electric Family warst Du immerhin für sämtliche Texte und Kompositionen zuständig.
Perc: Bei The Perc meets the Hidden Gentleman war ich immerhin auch für die ganze Musik und auch für die Hälfte der Texte zuständig. Ich habe schon immer viel für meine Projekte selbst geschrieben. Das war bei Taras Bulba ähnlich. Aber, um ehrlich zu sein, oft zehre ich auch von dem, was ich bereits gemacht habe. Auf dieser Solo-Platte bot sich dann auch die Möglichkeit an, alte Sachen zu recyclen. Beispielsweise der Titel „The Cougar“. Die Musik hierzu habe ich schon 1995 für das „Worldlooker“-Album aufgenommen. Das habe ich aber damals nicht ganz zu Ende gemacht und die Gitarren und der Gesang sind alles jetzt erst entstanden. Lediglich die Orgel und die Schlagzeugpattern von dem Raben waren von damals. Noch älter ist der Titel „The Dragon Song“. Den habe ich 1990 für die „Lavender“ geschrieben. Und so bleiben viele Titel einfach liegen. Ab und zu gehe ich da durch und finde es dann ab und zu an der Zeit, den einen oder anderen Song zu komplettieren. Deswegen wurde jetzt endlich auch der „Dragon Song“ realisiert. Und ich finde ihn, ehrlich gesagt, auch sehr toll.
SG: Den Titeln wie „Good Grass, Bad Boy“, „The Riddle Song“ oder „The Cougar“ nach wirkt dann „Jack Of All Trades“, wenn man die Musik dazu nicht kennt, wie ein reines Country-Album. Und die gibst auch zu, daß Du schon ab und zu mit dem Country liebäugelst.
Perc: Ich stehe auf die ganzen Outlaw-Leute wie Johnny Cash, Willie Nelson oder Merle Haggard, also die, welche mehr diese dreckige Art von Country machen und sich auch nicht scheuen, hier einmal Rockmusik mit einzubauen. Neil Young macht das ja auch. Da habe ich schon eine Schwäche für. Aber ich möchte nicht sagen, daß „Jack Of All Trades“ jetzt ein Country-Album ist. Es sind zwar Elemente hiervon mit enthalten, aber ich sehe schon zu, daß ein Titel nicht zu sehr eine Richtung hält, sondern das sich möglichst noch eine andere Facette mit auftut.
SG: Trotzdem treten Deine Markenzeichen, das sind für mich Deine stets präsente Akustikgitarre und Deine brummelige Stimme, hier wieder offen zu Tage.
Perc: Ich glaube, so tief gesungen, wie auf diesem Album, habe ich noch nie. Wenn man das im direkten Vergleich mit „Worldlooker“ betrachtet; damals wußte ich noch nicht, in welche Stimmlage ich mich am wohlsten fühle. Dort singe ich dann zum Teil ziemlich hoch. Während der Arbeit mit der Electric Family, wo ich ja auch der Leadsänger war und bin, habe ich meine Stimme dann gefunden und ich bin jetzt doch in der tiefen Lage am sichersten.
SG: Ich vermisse aber die schöne billige Drum-Maschine, die bei The Perc meets the Hidden Gentleman und auch auf „Worldlooker“ den Sound wunderschön nostalgisierte.
Perc: Das Teil, das Du meinst, war ein Keyboard namens Karola. Und Karola ist seit drei Jahren kaputt, deswegen kann ich das Teil zur Zeit auch nicht verwenden. Ich würde Karola, auch für die Konzerte, einmal wieder fertigmachen. Schon, um mit ihr noch einmal „Rock The Widow“ zu spielen. Aber ich weiß nicht, wer so ein Gerät reparieren kann. Das bot sich aber dieses mal auf dieser Platte auch nicht unbedingt an.
SG: Aber auf „Jack Of All Trades“ gehst Du jetzt wieder zurück zu richtigen Songs. Das längste Stück, das knapp 7 minütige „Dolphins & Airmachines“, hat dann auch nicht unbedingt gleich eine Spielzeit, die man episch nennen würde.
Perc: Genau eben das war auch die Idee. Bei der „Tender“-Tour mit der Electric Family bin ich zu dem Entschluß gekommen, einmal wieder richtige Songs zu machen und nicht nur ausufernde Improvisationen zu spielen. So habe ich jetzt auch wirklich Songs mit einem erkennbaren Anfang und Ende und ich habe hier die Gitarrensolis ebenfalls in diesem Rahmen belassen. So wurde, wie gesagt, auch alles etwas kompakter. Deswegen habe ich dieses Album auch gemacht. Wir haben für die Electric Family schon einen neuen Titel fertig, der dauert 10:45. Hier ist dann natürlich in Richtung Improvisationen wieder viel mehr möglich.
SG: Harry Payùta, Dein Bassist bei der Electric Family, ist bekanntlich ausgestiegen. Wie soll es jetzt hier weitergehen?
Perc: Nicht nur der Harry, auch diverse andere Leute aus der alten Besetzung sind nicht mehr dabei. Aber die Electric Family hat sich noch nie als feste Band verstanden. Die nächste Ausgabe ist dann auch mehr in den Osten rüber orientiert. Es sind beispielsweise eventuell Musiker von Silly mit dabei, die jetzt schon teilweise bei Witt in der Band spielen. Wir hatten ursprünglich sogar einmal vor, zwei Electric Familys zu machen - eine West- und eine Ost-Version. Vielleicht kommt das auch noch. Ich wollte aber erst einmal mein Solo-Album fertig machen, weil das mir einfach ein Bedürfnis war. Danach geht es weiter mit der Electric Family.
SG: Was war eigentlich dafür ausschlaggebend, mit Sireena Dein eigenes Label zu gründen?
Perc: Das war eine Idee von Lothar Gärtner. Er hat seine alte Plattenfirma Strange Ways vor knapp einem Jahr abgegeben. Er rief mich in dieser Zeit an und meinte, daß er ein neues Label machen will. Und da sagte ich, gut, wenn du schon ein neues Label machst, dann veröffentlichst du auch gleich das geplante Electric Family Live-Album. Da machte er seinerseits den Vorschlag, daß wir doch das Label gemeinsam machen könnten. Wir haben mit Fenn Music dann auch gleich einen Vertrieb gefunden, der sich dafür interessiert hat. Die PERC war somit nach der Live-Scheibe der Electric Family und der Compilation „The Furious Swampriders“ die dritte Veröffentlichung. Jetzt kommt noch das Re-release der „Lavender“ von The Perc meets the Hidden Gentleman inklusive einiger Bonus-Tracks und dann sehen wir weiter. Ich war wieder völlig begeistert von dieser Platte, als ich mir sie das letzte Mal wieder anhörte.
SG: Die „Lavender“ ist genau zehn Jahre alt und ich kann mich noch daran erinnern, daß das Album eine überwältigende Presse bekommen hat, damals.
Perc: Das war nach wie vor der größte Presseerfolg, den wir hatten, obwohl die Electric Family auch sehr erfolgreich war. Das lag wahrscheinlich mit an den vielen Konzerten, die wir damals gegeben haben. Wir haben in fast jeder größeren Stadt gespielt und da gab es dementsprechend auch eine Menge Artikel in jedem Stadtmagazin und in jeder Tageszeitung.
SG: Es hat mich bei Deiner auf Moloko erschienenen Vorab-Single „Head In The Air“ dann doch etwas verwundert, daß der Sportler auf dem Cover ein Hanfblatt auf dem Trikot hatte. Ich dachte, Du bist strikt gegen Drogen?
Perc: Ich habe eine absolute Abneigung gegen harte Drogen. Ich habe nichts gegen Hanf. Als die „Tender“ erschien, hatte ich ein Interview im Hanf-Journal , wo ich auch schon verlauten ließ, daß ich kein Problem mit Hanf habe. Vor allem in Plätzchen. Mit dem anderen Zeug will ich absoltut nichts zu tun haben und ich hatte auch noch nie etwas damit zu tun.
SG: Die Electric Family war übrigens auch auf dem Pink Floyd-Tribute-Album „Signs of Life“ mit einer Fassung von „Careful with that Axe, Eugene“ zu hören. Wieso habt ihr diesen Titel noch einmal separat als Single veröffentlicht?
Perc: Weil ich den Titel einfach klasse finde. Ich fand von vornherein unsere Fassung sehr schön, obwohl wir den sehr schnell aufgenommen haben. In höchsten zwei Stunden hatten wir diesen Song im Kasten. Jeder von uns hat etwas dazu beigetragen und so wurde das auch eine runde Sache. Und ich fand, daß er auch eine gute Single abgibt. Diese Veröffentlichung war eigentlich für unsere Vinylfans gedacht. Sie ist übrigens schon ausverkauft und wird auch nicht nachgepresst. Das war eine ganz nette Sache und hier hatte ich auch wieder die Gelegenheit, auf der B-Seite einen anderen Titel aus meinem umfangreichen Live-Fundus zu präsentieren. Das mache ich auch immer so gerne. Beispielsweise die soundsovielte Version von „Moon Of Both Sides“ auf der „Head In The Air“.
SG: Jetzt einmal eine Frage, die mich persönlich interessiert. Was sagst Du zu dem Fakt, daß die deutsche Undergroundszene, der Du unweigerlich auch angehörst und die nebenbei recht klein ist, untereinander so zerstritten ist und jeder sein eigenes Ding macht? Im Gegensatz dazu regiert in beispielsweise Italien oder Großbritannien so eine Art Teamgeist untereinander.
Perc: Das ist traurig. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Manchmal ist das auch nervig, weil es wäre doch auch manchmal effektiver, die Energien zu bündeln. Gottseidank kann ich aus meiner Warte nur sagen, daß ich von Underground und auch vom Overground immer recht gut wahrgenommen werde. Das liegt vielleicht daran, daß ich mich allen Schubladen entziehe. Und das ist seit den elf, zwölf Jahren, in denen ich Platten machte, schon immer mein Ziel gewesen. Das war auch schon früher mit dem Hidden Gentleman Emilio Winschetti so. Keine meiner Platten gleicht einer anderen, weil wir nie in irgendeine Schublade gesteckt werden wollten. Und ich denke, daß mit das auch bis heute gelungen ist.
SG: Und ich denke, daß diese Feststellung ein gutes Schlußwort ist. Damit bleibt zu hoffen, daß Hans Dampf alias Tom Redecker weiterhin in allen Gassen präsent bleibt.



DISKOGRAFIE

2001| CD
Jack Of All Trades (Sireena Records, D)
2000| 7' Vinyl
'Head In The Air' (Moloko, D)
1996| Compilation
'CLAIRE OF THE DUST' on CD: '19' (Audio, Greece)
1995| CD
'WORLDLOOKER' (Strangeways, D)
I Love The Lighthouse/The Ghostsong/Claire Of The Dust/Plumcake Jesus Fantays/My PrivatePhoenix/Destination Jericho/Heir To The Throne/Xipe Totec/One & One (Is One)/Sun Sketches a. The Plain Knights - b. Welcome To Circus Freedom - c. Back To The Jungle Of Gold/Good-Bye Worldlooker
1995| Compilation
'CLAIRE OF THE DUST' on CD: 'WAY 100' (Strangeways, D)
1994| CD
'BEFORE HE MET THE HIDDEN GENTLEMAN' (Swamproom, D)
The Farmer/Broken Tune/Manson Was A Fool/Inhaler/Dwarf/Flesh & Blood Society/Everybody's Like The Other
1993 | Compilation 
JESSE & JAMES - "BOOZE TRAIN" on THE PERC PRESENTS THE FURIOUS SWAMPRIDERS (Strange Ways Records, D)
1993 | Compilation
JESSE JAMES - "RED RIVER" on THE RETURN OF THE FURIOUS SWAMPRIDERS (Strange Ways Records, D)
1991| Compilation
KÜHE IM NEBEL - "CURCH OF LIFE" on BOUQUET OF DREAMS (Dark Star, D)
1990| Compilation
'ONE & ONE' on THE PERC MEETS THE HIDDEN GENTLEMAN (Strangeways, D)
1986 | Compilation
PISSRINNE - "LOVIN' BABY BOY" on HARAKIRI No. 8 (Harakiri, D)

Gastmusiker bei:
AX GENRICH 'Wave Cut' (ATM/BMG, D)
DIETER SERFAS 'Ear Transport' (ATM/BMG, D)


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