
THE
ELECTRIC FAMILY
THE
PERC MEETS THE HIDDEN GENTLEMAN
TARAS
BULBA
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THE
PERC
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BIO | INTERVIEW | DISKOGRAFIE
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Seit
1983 und mit der Gründung der Avantegarde-Truppe
Kühe Im Nebel nannte sich der gebürtige Iserlohner
Tom Redecker 'THE PERC'. Zuvor hatte
er bereits in den Siebzigern alle möglichen musikalischen Stationen
durchlaufen, machte Trashfolk mit seinem Duo Pissrinne, war
recht erfolgreich bei den Folkies Gipsy Rover tätig,
mit denen er gar eine Frankreich/Belgien-Tournee durchzog, und zog sich
dann Ende der Siebziger, angewidert von der sogenannten Neue Deutsche
Welle, ganz aus dem Musikgeschäft zurück.
Erst mit den Kühen
und ihrem radikalen Programm war er wieder da. Mit seinem Umzug nach Bremen
nahm er auch den Namen Kühe Im Nebel mit und etablierte
sich mit seinem zahllosen Kassettenproduktionen schnell im Bremer Untergrund.
Seine erste Tape-Produktion als THE PERC nannte er 1985
selbstbewusst "Man Of The Future", weigerte
sich in Folge aber eisern, sowohl seine eigenen Produktionen als auch
die der Kühe Im Nebel auf Schallplatte zu veröffentlichen.
Sämtliche Produktionen erschienen auf dem eigenen SHACK MUSIC-Label,
eine erste Auswertung dieser Frühwerke auf Vinyl fand 1994
durch das Hannoveraner Label Swamp Room Records
statt. Weitere Outtakes sind geplant.
Parallel zu den PERC-Veröffentlichungen
erschienen zahllose Tapes von den Kühen Im Nebel,
die sich um den Bremer Sänger und TV-Moderatoren OWI
Weber verstärkt hatten. Harte Industrialklänge
auf weichen Melodieteppichen bildeten das Konzept, aber auch Country &
Western, Punk und Metal flossen in die ungewöhnliche Musik der Kühe
ein. In Bremen waren sie absoluter Kult, und mit dem Konzeptprogramm "The
Flesh & Steel Society" gingen die Kühe 1987
dann auch auf Deutschland-Tournee.
Im gleichen Jahr nahm
Tom zusammen mit Emilio 'THE HIDDEN GENTLEMAN' Winschetti
die erste gemeinsame Single als The Perc Meets The Hidden Gentleman
auf, und die Arbeit mit Kühe Im Nebel trat vorerst
in den Hintergrund. In den nächsten 7 Jahren avancierten Tom
und Emilio mit ihren zahllosen Konzerten und ihren eindrucksvollen
Alben zu absoluten Szene-Lieblingen.(vgl.
The Perk Meets The Hidden Gentlemen an anderer Stelle).
In ihrer Heimat waren The Perc Meets The Hidden Gentleman
fast pausenlos unterwegs, allein die Lavender-Tour
umfasste 100 Gigs. 1993 erschien mit "Ages"
das bisher letzte Studioalbum von Tom und Emilio.
Dann widmete sich jeder erst einmal anderen Dingen, wobei der Kontakt
und die gemeinsame Pflege des Backprogramms weiterhin harmonisch funktioniert.
Nicht wenige Fans fiebern einem neuerlichen musikalischen Treffen von
The Perc Meets The Hidden Gentleman seither entgegen.
Und die Chancen dafür sind gar nicht einmal so schlecht!
Bereits 1990 bot Strange Ways Label-Boss Lothar Gärtner
Tom an, seine erste Soloplatte herauszubringen. Viele
befreundete Musiker wie Element Of Crime, Rumble On The Beach, Mimmies,
M. Walking On The Water undundund boten ihre Mithilfe an, so
dass Tom von der ursprünglichen Idee eines Soloalbums abrückte
und stattdessen eine Konzept-Compilation zusammensstellte: "THE
PERC Presents The Furious Swampriders". Hier hatte The Perc
endlich die Gelegenheit, seiner heimlichen Vorliebe für Country,
Folk, sogenannter ländlicher Musik, zu frönen. Es wurde ein
heftiges Lagerfeueralbum, das wirklich erfolgreich war. Zwei Jahre später
erschien die Fortsetzung: "The Return Of The Furious Swampriders".
Diesmal waren international geachtete Künstler wie Floyd Westerman
und Gun Club dabei.
1994, nachdem The Perc Meets The Hidden Gentleman
ihre unbegrenzte Schaffenspause angetreten hatten, bot sich endlich für
Tom die Gelegenheit, sein erstes 'richtiges' Soloalbum
anzugehen. Er hatte inzwischen zwar mit Taras Bulba recht
erfolgreich ein Elektronikprojekt etabliert (vgl.
Taras Bulba an anderer Stelle), aber nun schwebte ihm
etwas völlig anderes im Kopf herum. Musiker von Phillip Boa, Kastrierte
Philosophen und aus der eigenen Lavender Band halfen ihm bei der Entstehung
von "Worldlooker", das im Frühling 1995
bei Strange Ways Records erschien. Die Medien waren gespannt darauf, wie
The Perc ohne den Hidden Gentleman herüberkommen
würde, mit ihrem Kommentar zu "Worldlooker"
konnte The Perc dann mehr als glücklich sein. Die
Kritiken erschienen geradezu triumphal! Grund genug für Tom, Band
und Crew für die "Worldlooker Tour '95" zusammenzustellen.
Als THE PERC Meets The Incredible Lovegodz zogen sie
im Herbst durch 14 deutsche Konzertsäle. Nach anfänglichen Schwierigkeiten,
Tom musste erst einmal seinen Platz als Frontmann, den Emilio Winschetti
so lange Zeit mehr als grossartig ausgefüllt hatte, finden, wurde
die Tour ein wahrer Erfolg.
Für weitere Soloaktivitäten
wurde es dann erst einmal eng, Tom gründete ein
neues Ensemble, The Electric Family. Damit waren die
nächsten drei Jahre verplant. Zwei Alben wurden produziert, zwei
Tourneen durchgeführt (vgl.
The Electric Family an anderer Stelle), der Familenverbund
erlangte in dieser Zeit die allerhöchste Wertschätzung der Fans
und der Medien. Das zweite Album "Tender" wurde
gar für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik vorgeschlagen.
Im Sommer 1999 schickte Tom Redecker
seine elektrische Famile, die zwischenzeitlich auf insgesamt 28 Personen
angeschwollen war, in einen vorübergehenden Urlaub, um endlich seinen
nächsten Solostreich in aller Ruhe einzuspielen. Im Oktober 1999
begannen die Aufnahmen, lediglich einige wenige Musiker, wie z. B. sein
langjähriger Gitarrist Jochen Schoberth wurden eingeladen, den Grossteil
der Instrumente spielte The Perc selbst ein. Staubtrockene,
heftige Songs entstanden bei den Aufnahmesessions im Alien Style Studio
Bremen, die bis Sommer 2000 gingen.
Im folgenden Jahr
gründete Tom zusammen mit Lothar Gärtner,
dem ehemaligen Besitzer von Strange Ways Records ein neues Label, Sireena
Records. Das erste Album, das darauf erschien, war „Pueblo
Woman“, ein Live-Album der Electric Family.
Es enthielt Aufnahmen von den beiden Tourneen der Family 1997
und 1999 sowie zwei Studio Outtakes. Anschliessend folgte
– nach sieben Jahren - eine weitere Ausgabe der Furious
Swampriders. Der dritte Streich war dann endlich das neue Soloalbum
von The Perc „Jack Of All Trades“, welches
mit massivem Presseaufwand Anfang März 2001 in die Läden geht.
Während der Aufnahmen zu „Jack Of All Trades“
kam Tom die Idee, nach den anstrengenden Tourneen mit The Electric
Family einmal wieder ein kleines 'Live Ding' durchzuziehen,
ein reines Acoustic Set in kleinen Clubs. Gitarrist Jochen
Schoberth konnte als zweiter Mann für diese Geschichte
schnell gewonnen werden. Unter dem Motto „An Evening with
THE PERC“ fanden die Konzerte im Frühling 2001
statt – Publikum und Musiker waren gleichermaßen begeistert
von diesen „Wohnzimmer-Gigs“. Es soll irgendwann einmal fortgesetzt
werden.
Inzwischen hatte Tom The Electric Family wieder zusammengetrommelt
und sie ordentlich verstärkt. Neben ex-Agitation Free-Trommler Burghard
Rausch waren die beiden Pankow-Musiker Ingo York und Rainer Kirchmann
und Ulla Meinecke dazugestossen. Heraus kam das Album „Ice
Cream Phoenix“ (Hypertension/Sony), das medienmäßig
alles bisherige in den Schatten stellte. Der amerikanische Kultschreiber
David Fricke war dermaßen begeistert, dass er die Liner Notes zum
Album schrieb und die Band in unmittelbare Nachfolge der legendären
Jefferson Airplane stellte. The Electric Family stellte
das Album im Sommer 2003 bei den Schweriner KunstFilmtagen auch live vor.
Anschließend ging die Family wieder in Kreativ-Urlaub. Tom
THE PERC Redecker stand im Dezember 2003 allerdings
schon wieder im Bremer Alien Style Studio, um neue Titel für ein
weiteres Projekt aufzunehmen.
Doch darüber ein andermal mehr ...

INTERVIEW
Stephen Koch,
Musikchef der 'LITTLE ROCK FREE PRESS', in Little Rock, Arkansas, USA
im Gespräch mit Tom THE PERC Redecker anlässlich der bevorstehenden
Veröffentlichung des PERC-Albums "Jack Of All Trades"
im Januar 2001
S.K. / Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem phantastischen
Live-Album Deiner Supergroup THE ELECTRIC FAMILY "Pueblo Woman (Sireena
Records) präsentierst Du bereits Dein nächstes Album "Jack
Of All Trades", und ich bin wieder einmal schwer begeistert. Du hattest
ja bereits im Frühling in Austin erzählt, dass dieses Album
Country Music-beeinflusst sein wird und daher war ich schon gespannt,
wie ein Fuckin’ Krauthead diese Aufgabe erledigt. Riesen-Kompliment,
Mann. Besonders bei "Good Grass, Bad Boy” läuft die Geschichte
direkt vor dem inneren Auge ab. Ein böser B-Movie. Könnte von
Dennis Hopper stammen, der Gesang übrigens auch!
Tom / Keine Ahnung, wie sich Dennis Hopper so anhört.
Ich kenne ihn als Regisseur und Darsteller in "Easy Rider" und
zahllosen anderen Filmen. Wusste gar nicht, dass er auch singt. Mit dem
B-Movie liegst Du gar nicht mal so weit entfernt, ich mag diese Art von
Filmen und ich mag die Soundtracks dazu. Songs wie Filme zu gestalten
war schon immer mein Anliegen, und es freut mich sehr, dass es bei den
Betrachtern funktioniert. "Dreamride" ist übrigens ein
ähnlich gelagerter Titel.
S.K. / Der Titel, der alles überragt, ist "Dolphins
& Airmachines" . Eine gewaltige Szenerie mit Mord und Totschlag,
schreienden, sterbenden Menschen und einem endlos scheinenden Gitarrensolo
im Schlussteil, dass in seiner Intensität nur noch von Neil Young
zusammen mit Crazy Horse erreicht wird.
Tom / Das Gitarrengewitter zum Schluss ist eine Gemeinschaftsarbeit
von mir und Jochen Schoberth, mit dem ich bereits seit der "LAVENDER"
1991 zusammenspiele. Es entstand völlig spontan ohne jede Vorbereitung,
das sind dann oft die besten Sessions!
S.K. / Ohne Frage, spielt Jochen auch auf dem Science
Fiction-Titel "The Cougar" Gitarre?
Tom / Nein, das ist Rolf Kirschbaum, den ich ja noch
länger kenne. Spielt völlig anders, so wie eigentlich alle Gitarristen
bei meinen Projekten sich voneinander unterscheiden. Das bringt die nötige
Klangfarbe in die Tracks.
S.K. / Du hast wieder alle Keyboards bedient, so
wie früher bei The Perc Meets The Hidden Gentleman. Und wenn es stimmt,
was ich lese, auch sämtliche Bassgitarren. Das steht dann doch im
krassen Gegensatz zur Arbeitsweise Deiner Electric Family. Absicht?
Tom / Völlige Absicht. Nach drei Alben mit der Family
und all den vielen Musikern war einfach die Zeit gekommen, wieder für
mich allein zu spielen. Nur mit wenigen vertrauten Gästen in vertrauter
Atmosphäre. Auf Grund dieser Vorgehensweise unterscheidet sich "Jack
Of All Trades" auch deutlich von allen Alben der Electric Family.
In meinem Album steckt doch mehr Tom Redecker, auch wenn ich für
die Family fast alle Titel schreibe und darum sicherlich nicht unerheblich
für die ferigen Family-Platten verantwortlich bin.
S.K. / Die Electric Family gibt es aber noch, oder?
Tom / Natürlich, wir haben bereits mit Aufnahmen
für das nächste Album begonnen, das aber bestimmt nicht vor
2002 herauskommen wird. Eine Menge neuer Gäste wird mitmachen, aber
ist noch geheim. Eigentlich möchte ich auch wieder mit Taras Bulba
was machen. Gerade in letzter Zeit ist die Nachfrage nach Taras Bulba
doch gestiegen. Allerdings habe ich sämtliche Verträge mit unserem
Label gekündigt, folglich steht das Projekt zur Zeit ohne Deal da.
Also eigentlich zu viel Hochzeiten, auf denen ich tanze. Zur Zeit steht
sowieso mein Soloalbum an erster Stelle all meiner Bemühungen. Nach
der Veröffentlichung (Anfang März 2001) gehen Jochen Schoberth
und ich auf eine kleine Tour, im Sommer machen wir vielleicht noch ein
paar Festivals, und dann sehen wir mal weiter.
S.K. / Spielt Ihr nur Titel von dem Jack-Album. Bei
"Dolphins & Airmachines" stelle ich mir das schwierig vor.
Zwei Leute nur, zwei Gitarren.
Tom / Wir werden noch einen Percussionisten dabei haben,
und die Titel werden sicherlich anders rüberkommen. Aber wir spielen
auch Titel von "Worldlooker" (Das erste Soloalbum von The Perc
von 1995), der Electric Family und bestimmt auch alte Gassenhauer von
Emilio und mir.
S.K./ Hoffentlich auch den "Riddle Song",
einen weiteren Favoriten von Deinem Album, oder den "Dragon Song".
Tom / Mag sein. Mit viel Glück kannst Du Dir die
Resultate später anhören, wir werden alle Konzerte mitschneiden.
Mal sehen, was dabei rauskommt. Es ist zwar kein Live-Album geplant, aber
wie gesagt, mal sehen.
S.K./ Stimmt es, dass "Lavender" von The
Perc Meets The Hidden Gentleman neu herauskommt. Habe ich irgendwo hier
auf einer Website gelesen.
Tom / Stimmt, digital bearbeitet und mit Bonus Tracks!
Das Album gabs ja aus rechtlichen Gründen ein paar Jahre nicht. Nun
sind alle Schwierigkeiten aus dem Weg, und wir bringen das Album bei Sireena
Records heraus.
S.K. / Hinter Sireena steckst auch Du, oder?
Tom / Nur zur Hälfte. Die andere Hälfte bestreitet
der Lothar Gärtner, der früher mein altes Label Strange Ways
Records gegründet und geführt hat. Irgendwie schliessen sich
die Kreise wieder.
S.K./ Steht Sireena, ähnlich wie bei Grateful
Dead, auch Deinen übrigen Musikern für deren Projekte zur Verfügung?
Tom / Warum nicht, wenn’s uns gefällt. Aber das entscheide
ich nicht alleine.
S.K./ Was macht eigenlich der Hidden Gentleman zur
Zeit. Kommt Ihr noch mal zusammen? Ich kann mir vorstellen, dass Ihr eine
Menge Leute glücklich machen würdet. Allein hier in den Staaten
habe ich im Netz über 100 Hinweise auf Euch gefunden. Das muss in
Europa doch noch mehr sein.
Tom / Es gab und gibt reizvolle Angebote, aber die Frage
stellt sich zu Zeit noch immer nicht. Eigentlich möchte ich auch
nicht so gerne darüber reden. Irgendwann vielleicht einmal, okay!
Emilio und ich haben keinen Streit oder so, aber wir haben auch keine
gemeinsame Idee, und solange die nicht da ist, hat es keinen Sinn. Es
kommt wahrscheinlich noch eine Platte von uns mit unveröffentlichten
Aufnahmen. Alles weitere steht in den Sternen.
S.K./ Na gut, im Grunde hast Du ja auch genug andere
phantastische Projekte am Laufen. Ich freue mich auf jeden Fall, wie in
all den vergangenen Jahren, auf mehr aus Deiner Pipeline. Solange Dir
und Deinen Musikern nicht die Ideen ausgehen, versiegt da ja so schnell
nichts. Noch eine Frage, wo bekommt man in den Staaten Deine Platten.
Tom / In dem Fall über Eurorock und auch über
SongSearch und Amazon. Dann gibt’s da noch viele Mailorder, die
sich speziell mit deutscher Musik beschäftigen. Die Infrastruktur
ist in der Hinsicht doch verdammt prima geworden. Über Lizensierungen
verhandeln wir noch. Speziell betrifft das die Veröffentlichungen
auf Sireena Records.
S.K. / Ich freu mich drauf, alles Gute Dir, Deiner
echten und Deiner musikalischen Familie. Wir sehen uns im nächsten
März wieder in Austin, oder?
Tom / Klar, wie gehabt alle Jahre wieder!
Ein weiteres Interview mit THE PERC:
The
Perc oder ‘Hans Dampf in allen Gassen’
Der ‘Hans
Dampf in allen Gassen’ (means „Jack Of All Trades“)
der deutschen ‘Alternative Music’, Tom ‘The
Perc’ Redecker, fand trotz vielfältiger Tätigkeiten
( die Electric Family, die es immerhin schon auf drei Alben bringen sowie
die Gründung seines eigenen Labels ‘Sireena Records) die Gelegenheit
zum Einspielen seines zweiten Solo-Albums. So künstlerisch hochwertig
auch die ELECTRIC FAMILY war, sie war ein Kollektiv gleichwertiger Musiker,
was immerhin auch das Übereinbringen verschiedener Interessen bedeutete.
Somit gibt es auf „Jack Of All Trades“ wieder The
Perc pur, das erste Mal übrigens seit dem Album „The
Worldlooker“ von 1995.
Konzeptionell werden hier die Traditionen des Duos The Perc Meets
The Hidden Gentleman fortgesetzt, welches bis Anfang der 90er
in der deutschen alternativen Szene uneingeschränkt für Furore
sorgte. Bis auf wenige Ausnahmen (wobei Tom Redecker musikalische
Unterstützung in Jochen Schoberth - guitar, Rolf Kirschbaum - guitar
und Hanno Janssen - drums fand) wurde das gesamte Album, immerhin
elf Tracks, von dem Multiinstrumentalisten persönlich besungen und
eingespielt. Und kennt man die früheren Werke The Percs (von welchen
das TPMTHG-Album „The Lavender“ mit Sicherheit
zu einem der interessantesten deutschen Rock-Platten der Neunziger zählt),
dann weiß man, daß auch „Jack of all Trades“
wieder eine ungewöhnliche Mischung aus Rock, Pop, Folk, Country,
Blues und Psychedelic zu bieten hat. Sein neues Output ist ein buntes
Song-Kaleidoskop, wobei mit Sicherheit Ohrenmerk auf die epischen „Dolphins
& Airmachines“ und „Just The Flame“
sowie die rockig-schmissigen Tracks „The Dragon Song“
und „Head In The Air“ zu legen ist. Die Merkmale
im The Perc-Sound, die unverkennbare grummlig-tiefe Stimme und dominante
akustische Gitarre, seit immerhin mehr als fünfzehn Jahren Markenzeichen,
sind auch hier wieder sympathisch und liebenswürdig. Das ‘Schellackgeschrei’
fand schon fast traditionsmäßig wieder die Gelegenheit, mit
Tom Redecker alias THE PERC
zu talken.
SG: Wieso „Jack Of All Trades“? Fühlst
Du Dich wirklich als ‘Hans Dampf in allen Gassen’?
Perc: Das ist ein Zitat von Jörg Gülden, dem
Chef des ‘Rolling Stone’. Das gefiel mit so gut, weil er meine
Berufung genau erkannt hat, unterschiedliche Sachen zu machen, so daß
ich dieses Zitat gleich als Titel für mein neues Album benutzte.
Ich fand diesen Namen für mein Solo-Album doch recht passend.
SG: Im Gegensatz zum ersten Perc-Album „Worldlooker“,
was doch recht folk-betont war, ist „Jack Of All Trades“ dann
doch schon rok- kiger einzustufen und es wirkt irgendwie auch kompakter.
Auch kommen hier Erinnerungen an alte The Perc meets the Hidden Gentleman-Tage
auf.
Perc: Ja, die Platte ist eindeutig druckvoller. Ich auch
denke, daß ich mich mit der Platte mehr bei The Perc meets the Hidden
Gentleman befinde als bei der Electric Family. Das liegt auch mit daran,
daß ich hier, wie damals, den Großteil aller Instrumente selber
spiele. Ich habe hier alle Keyboards, Bässe und akustischen Gitarren
selbst eingespielt. Und da hört man dann auch so ein bißchen,
daß die Produktion etwas wie die Sachen von früher klingt.
Von daher ist die „Jack Of All Trades“ auch sehr nahe an der
„Maid Of Delphi“. Aber das war ja der Sinn der Sache. Sonst
hätte es auch ein Electric Family-Album werden können. Gerade
diese beiden Studioalben mit der Electric Family waren wegen der vielen
Leute, die hier beteiligt waren, sehr anstrengend. Ich wollte deswegen
jetzt erst einmal eine Platte machen, wo alles recht schnell ging und
man ruck-zuck ein Stück fertig hat.
SG: Aber so extrem kann man Deine Projekte eigentlich
nicht trennen. Auch bei der Electric Family warst Du immerhin für
sämtliche Texte und Kompositionen zuständig.
Perc: Bei The Perc meets the Hidden Gentleman war ich
immerhin auch für die ganze Musik und auch für die Hälfte
der Texte zuständig. Ich habe schon immer viel für meine Projekte
selbst geschrieben. Das war bei Taras Bulba ähnlich. Aber, um ehrlich
zu sein, oft zehre ich auch von dem, was ich bereits gemacht habe. Auf
dieser Solo-Platte bot sich dann auch die Möglichkeit an, alte Sachen
zu recyclen. Beispielsweise der Titel „The Cougar“. Die Musik
hierzu habe ich schon 1995 für das „Worldlooker“-Album
aufgenommen. Das habe ich aber damals nicht ganz zu Ende gemacht und die
Gitarren und der Gesang sind alles jetzt erst entstanden. Lediglich die
Orgel und die Schlagzeugpattern von dem Raben waren von damals. Noch älter
ist der Titel „The Dragon Song“. Den habe ich 1990 für
die „Lavender“ geschrieben. Und so bleiben viele Titel einfach
liegen. Ab und zu gehe ich da durch und finde es dann ab und zu an der
Zeit, den einen oder anderen Song zu komplettieren. Deswegen wurde jetzt
endlich auch der „Dragon Song“ realisiert. Und ich finde ihn,
ehrlich gesagt, auch sehr toll.
SG: Den Titeln wie „Good Grass, Bad Boy“,
„The Riddle Song“ oder „The Cougar“ nach wirkt
dann „Jack Of All Trades“, wenn man die Musik dazu nicht kennt,
wie ein reines Country-Album. Und die gibst auch zu, daß Du schon
ab und zu mit dem Country liebäugelst.
Perc: Ich stehe auf die ganzen Outlaw-Leute wie Johnny
Cash, Willie Nelson oder Merle Haggard, also die, welche mehr diese dreckige
Art von Country machen und sich auch nicht scheuen, hier einmal Rockmusik
mit einzubauen. Neil Young macht das ja auch. Da habe ich schon eine Schwäche
für. Aber ich möchte nicht sagen, daß „Jack Of All
Trades“ jetzt ein Country-Album ist. Es sind zwar Elemente hiervon
mit enthalten, aber ich sehe schon zu, daß ein Titel nicht zu sehr
eine Richtung hält, sondern das sich möglichst noch eine andere
Facette mit auftut.
SG: Trotzdem treten Deine Markenzeichen, das sind
für mich Deine stets präsente Akustikgitarre und Deine brummelige
Stimme, hier wieder offen zu Tage.
Perc: Ich glaube, so tief gesungen, wie auf diesem Album,
habe ich noch nie. Wenn man das im direkten Vergleich mit „Worldlooker“
betrachtet; damals wußte ich noch nicht, in welche Stimmlage ich
mich am wohlsten fühle. Dort singe ich dann zum Teil ziemlich hoch.
Während der Arbeit mit der Electric Family, wo ich ja auch der Leadsänger
war und bin, habe ich meine Stimme dann gefunden und ich bin jetzt doch
in der tiefen Lage am sichersten.
SG: Ich vermisse aber die schöne billige Drum-Maschine,
die bei The Perc meets the Hidden Gentleman und auch auf „Worldlooker“
den Sound wunderschön nostalgisierte.
Perc: Das Teil, das Du meinst, war ein Keyboard namens
Karola. Und Karola ist seit drei Jahren kaputt, deswegen kann ich das
Teil zur Zeit auch nicht verwenden. Ich würde Karola, auch für
die Konzerte, einmal wieder fertigmachen. Schon, um mit ihr noch einmal
„Rock The Widow“ zu spielen. Aber ich weiß nicht, wer
so ein Gerät reparieren kann. Das bot sich aber dieses mal auf dieser
Platte auch nicht unbedingt an.
SG: Aber auf „Jack Of All Trades“ gehst
Du jetzt wieder zurück zu richtigen Songs. Das längste Stück,
das knapp 7 minütige „Dolphins & Airmachines“, hat
dann auch nicht unbedingt gleich eine Spielzeit, die man episch nennen
würde.
Perc: Genau eben das war auch die Idee. Bei der „Tender“-Tour
mit der Electric Family bin ich zu dem Entschluß gekommen, einmal
wieder richtige Songs zu machen und nicht nur ausufernde Improvisationen
zu spielen. So habe ich jetzt auch wirklich Songs mit einem erkennbaren
Anfang und Ende und ich habe hier die Gitarrensolis ebenfalls in diesem
Rahmen belassen. So wurde, wie gesagt, auch alles etwas kompakter. Deswegen
habe ich dieses Album auch gemacht. Wir haben für die Electric Family
schon einen neuen Titel fertig, der dauert 10:45. Hier ist dann natürlich
in Richtung Improvisationen wieder viel mehr möglich.
SG: Harry Payùta, Dein Bassist bei der Electric
Family, ist bekanntlich ausgestiegen. Wie soll es jetzt hier weitergehen?
Perc: Nicht nur der Harry, auch diverse andere Leute
aus der alten Besetzung sind nicht mehr dabei. Aber die Electric Family
hat sich noch nie als feste Band verstanden. Die nächste Ausgabe
ist dann auch mehr in den Osten rüber orientiert. Es sind beispielsweise
eventuell Musiker von Silly mit dabei, die jetzt schon teilweise bei Witt
in der Band spielen. Wir hatten ursprünglich sogar einmal vor, zwei
Electric Familys zu machen - eine West- und eine Ost-Version. Vielleicht
kommt das auch noch. Ich wollte aber erst einmal mein Solo-Album fertig
machen, weil das mir einfach ein Bedürfnis war. Danach geht es weiter
mit der Electric Family.
SG: Was war eigentlich dafür ausschlaggebend,
mit Sireena Dein eigenes Label zu gründen?
Perc: Das war eine Idee von Lothar Gärtner. Er hat
seine alte Plattenfirma Strange Ways vor knapp einem Jahr abgegeben. Er
rief mich in dieser Zeit an und meinte, daß er ein neues Label machen
will. Und da sagte ich, gut, wenn du schon ein neues Label machst, dann
veröffentlichst du auch gleich das geplante Electric Family Live-Album.
Da machte er seinerseits den Vorschlag, daß wir doch das Label gemeinsam
machen könnten. Wir haben mit Fenn Music dann auch gleich einen Vertrieb
gefunden, der sich dafür interessiert hat. Die PERC war somit nach
der Live-Scheibe der Electric Family und der Compilation „The Furious
Swampriders“ die dritte Veröffentlichung. Jetzt kommt noch
das Re-release der „Lavender“ von The Perc meets the Hidden
Gentleman inklusive einiger Bonus-Tracks und dann sehen wir weiter. Ich
war wieder völlig begeistert von dieser Platte, als ich mir sie das
letzte Mal wieder anhörte.
SG: Die „Lavender“ ist genau zehn Jahre
alt und ich kann mich noch daran erinnern, daß das Album eine überwältigende
Presse bekommen hat, damals.
Perc: Das war nach wie vor der größte Presseerfolg,
den wir hatten, obwohl die Electric Family auch sehr erfolgreich war.
Das lag wahrscheinlich mit an den vielen Konzerten, die wir damals gegeben
haben. Wir haben in fast jeder größeren Stadt gespielt und
da gab es dementsprechend auch eine Menge Artikel in jedem Stadtmagazin
und in jeder Tageszeitung.
SG: Es hat mich bei Deiner auf Moloko erschienenen
Vorab-Single „Head In The Air“ dann doch etwas verwundert,
daß der Sportler auf dem Cover ein Hanfblatt auf dem Trikot hatte.
Ich dachte, Du bist strikt gegen Drogen?
Perc: Ich habe eine absolute Abneigung gegen harte Drogen.
Ich habe nichts gegen Hanf. Als die „Tender“ erschien, hatte
ich ein Interview im Hanf-Journal , wo ich auch schon verlauten ließ,
daß ich kein Problem mit Hanf habe. Vor allem in Plätzchen.
Mit dem anderen Zeug will ich absoltut nichts zu tun haben und ich hatte
auch noch nie etwas damit zu tun.
SG: Die Electric Family war übrigens auch auf
dem Pink Floyd-Tribute-Album „Signs of Life“ mit einer Fassung
von „Careful with that Axe, Eugene“ zu hören. Wieso habt
ihr diesen Titel noch einmal separat als Single veröffentlicht?
Perc: Weil ich den Titel einfach klasse finde. Ich fand
von vornherein unsere Fassung sehr schön, obwohl wir den sehr schnell
aufgenommen haben. In höchsten zwei Stunden hatten wir diesen Song
im Kasten. Jeder von uns hat etwas dazu beigetragen und so wurde das auch
eine runde Sache. Und ich fand, daß er auch eine gute Single abgibt.
Diese Veröffentlichung war eigentlich für unsere Vinylfans gedacht.
Sie ist übrigens schon ausverkauft und wird auch nicht nachgepresst.
Das war eine ganz nette Sache und hier hatte ich auch wieder die Gelegenheit,
auf der B-Seite einen anderen Titel aus meinem umfangreichen Live-Fundus
zu präsentieren. Das mache ich auch immer so gerne. Beispielsweise
die soundsovielte Version von „Moon Of Both Sides“ auf der
„Head In The Air“.
SG: Jetzt einmal eine Frage, die mich persönlich
interessiert. Was sagst Du zu dem Fakt, daß die deutsche Undergroundszene,
der Du unweigerlich auch angehörst und die nebenbei recht klein ist,
untereinander so zerstritten ist und jeder sein eigenes Ding macht? Im
Gegensatz dazu regiert in beispielsweise Italien oder Großbritannien
so eine Art Teamgeist untereinander.
Perc: Das ist traurig. Jeder kocht sein eigenes Süppchen.
Manchmal ist das auch nervig, weil es wäre doch auch manchmal effektiver,
die Energien zu bündeln. Gottseidank kann ich aus meiner Warte nur
sagen, daß ich von Underground und auch vom Overground immer recht
gut wahrgenommen werde. Das liegt vielleicht daran, daß ich mich
allen Schubladen entziehe. Und das ist seit den elf, zwölf Jahren,
in denen ich Platten machte, schon immer mein Ziel gewesen. Das war auch
schon früher mit dem Hidden Gentleman Emilio Winschetti so. Keine
meiner Platten gleicht einer anderen, weil wir nie in irgendeine Schublade
gesteckt werden wollten. Und ich denke, daß mit das auch bis heute
gelungen ist.
SG: Und ich denke, daß diese Feststellung ein
gutes Schlußwort ist. Damit bleibt zu hoffen, daß Hans Dampf
alias Tom Redecker weiterhin in allen Gassen präsent bleibt.
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